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Die Integrationslüge.

Info over Die Integrationslüge.
- Die fundierte Antwort in einer hysterischen Debatte.
- Ein Aufruf zur Ehrlichkeit in einem hitzigen Konflikt.
- Was helfen würde: weniger über „Kultur“ und mehr über die Verhältnisse zu reden: Arbeitsmarkt, Aufstiegschancen, Bildung und Geld.

< VORWORT (Link zur Leseprobe) >
http://files.hanser.de/zsolnay/docs/20120209_2122913618-85_978-3-552-06185-9.pdf

Kaum eine Debatte wird privat und öffentlich so emotional und unsachlich geführt wie die Frage der Integration von „Menschen mit Migrationshintergrund“. Und die Halbwahrheiten und Irrtümer, die dabei von allen Seiten aufs Tapet gebracht werden, verfestigen und vertiefen die Probleme weiter: Die Verwechslung von Relativismus mit Toleranz, die Politisierung von Identität und Religionszugehörigkeit, die Kulturalisierung sozioökonomischer Fragen und die Ignoranz gegenüber den Kränkungen und Ohnmachtsgefühlen der Bevölkerung.

Die Integrationslüge verschluckt die wichtigen Fragen, die hinter den Konflikten stecken: Bildung, Gesundheit, Arbeitsmarkt, Wohnen, Menschenrechte, soziale Rangordnungen, sozialer Abstieg, Ohnmacht, Anerkennung. Die Integrationslüge spricht über die anderen immer als Andersartige, macht Zugewanderte fremder, als sie sind, und Hiesige heimischer, als sie es je waren. Oder lässt sich die anderen
mittels romantischem Kulturalismus kulinarisch auf der Zunge zergehen.

Da ist zuerst die soziale Frage. Sie zeigt sich in allen in diesem Buch untersuchten Bereichen: Schule, Bildung, Gesundheit, Pflege, Arbeitsmarkt. Der soziale Status hat einen großen Anteil an der Erklärung der Unterschiede, manchmal sogar bis zu hundert Prozent. It’s the economy, stupid!, hätte Bill Clinton gerufen. Nicht der Migrationshintergrund ist der Angelpunkt, sondern die sozialen wie ökonomischen Verhältnisse sind prägender Faktor. Ob working class oder nicht, ob gute berufliche Position oder nicht, ob arm oder reich, ob Bildung oder nicht, ob Einfluss oder nicht: Der Statushintergrund macht viel aus.
Das zeigt sich bei der Gesundheit. Besonders ausgeprägt sind bei Einkommensschwächeren die Erkrankungen des Bewegungsapparates, des Stoffwechsels und des Herz-Kreislauf-Systems. Das sind genau jene Erkrankungen, unter denen ältere MigrantInnen am meisten leiden. Der Effekt des Krankwerdens hathier mit der sozialen Lebenslage zu tun. Das zeigt sich auch in der Schule. Nicht die ethnische Herkunft, sondern der soziale Status erklärt einen großen Teil des Schulerfolgs.

Eva Maria Bachinger und Martin Schenk zeigen in ihrem fundierten Buch, dass die Lüge von der Integration verdeckt, worum es eigentlich geht: Integration ist immer eine Frage der sozialen Rangordnung. Und zentrales Merkmal zur Unterscheidung von Menschen ist Geld. Doch in den letzten Jahren wurde in der Debatte aus „Ungleichheit“ „Differenz“ gemacht und „Gesellschaft“ in „Kultur“ verwandelt.

Es ist ehrlicher und auch hilfreicher, nicht von nebulosen Kulturen, sondern vom Tun der Menschen unter bestimmten Lebensbedingungen auszugehen. So werden Menschen lebendig, als Handelnde, als Subjekte und nicht als permanente Opfer,
oder als Kulturmarionetten, oder als Objekte der Fürsorge – und lebendig werden gleichzeitig die sozialen und strukturellen Lebensbedingungen.

Die Autoren haben sich umgesehen. Sie waren auf der Geburtenstation, bei Abwäschern im Restaurant, in den Schulen und unterwegs mit »harten Jungs«, in der U-Bahn mit Straßenzeitungsverkäufern, auf Spurensuche von Berlin über die Schweiz nach Österreich. Gefunden haben sie Menschen, die sich zumeist weniger
mit kulturellen als mit sozialen Problemen konfrontiert sehen.

Was klar wird: Entscheidend ist ein multidimensionaler Ansatz, wichtig ist die Fähigkeit, in Zusammenhängen zu denken. Deutschlernen sei der Schlüssel zur Integration, heißt es. Die Sache ist aber komplizierter, sonst müssten die Jugendlichen in den Pariser Vorstädten bestens integriert sein, sprechen sie doch tadellos Französisch, es fehlt aber an Jobs, Aufstiegsmöglichkeiten, Wohnraum, guten Schulen. Ein Schlüssel braucht immer auch ein Schloss. Die einen investieren nur in Schlüssel, die anderen nur in Schlösser, und dann wundern sich alle, dass die Türen nicht aufgehen. Alle Untersuchungen zeigen: Die Verwertung der
Bildung ist meist das größere Problem, als es die Erlangung der Bildung selbst schon war.

Das Buch versucht Antworten in einer hysterisch geführtenDebatte zu finden. Es ist aber kein Forderungskatalog in Langform und auch keine tagespolitische Intervention. Die AutorInnen wollen in die Tiefe gehen, an den Deutungen arbeiten, Zustände und Verhältnisse beschreiben und sichtbar machen. Dafür eignet sich der Raum eines ganzen Buches, in dem sich Reportagen, Geschichten und Analysen ausbreiten, zueinander sprechen und in Beziehung setzen. Die sozialwissenschaftlich orientierten Kapitel reflektieren und diskutieren die Erfahrungen wie Aussagen aus den Reportagen und bringen Neues an Deutung ein.
Thematisch haben sich die AutorInnen bewusst der bisher wenig diskutierten Aspekte angenommen: Altern in der Migration, Gesundheit, Geburt, Pflege, Bildungsverwertung, die konkrete Arbeitswelt mit ihren prekären Jobs. Dafür öffnen sie die Archive des Schweigens. Es ist erstaunlich, wie viel an Wissen nicht präsent ist und den Weg in die öffentliche Debatte nicht findet.