#Erdölförderung im Norden – 98 Unfälle seit 1964 #Fracking via shz.de - Nachrichten aus Schleswig-Holstein Kiel: "In der Region Schwansen bei Eckernförde kämpft der Wasserverband gegen Probebohrungen der Erdölindustrie, der Kreis Nordfriesland protestiert gegen die Absicht der Dänen, die die Förderung des „schwarzen Goldes“ an der Nordseeküste ausweiten, und fünf Frauen aus Bad Bramstedt gründeten eine Bürgerinitiative, um die Ölsuche in der Region und die Reaktivierung stillgelegter Ölfelder bei Wankendorf und Boostedt zu verhindern. Die wenigen Beispiele zeigen, dass sich die Begeisterung der Schleswig-Holsteiner, zu „Klein Texas“ der Nation zu werden, in Grenzen hält. Das kommt – wie der Abgeordnete der Piraten-Partei, Patrick Breyer, meint – nicht von ungefähr. Das Umweltministerium teilte ihm jüngst mit, dass in den Aufzeichnungen des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie 98 Schadensfälle seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1964 verzeichnet sind – alle stehen in Zusammenhang mit der Erdölförderung oder der Verpressung von Lagerstättenwasser. Dabei handelt es sich um 79 Leitungsschäden, die durch Korrosion entstanden sind, oder durch Fremdverschulden – weil etwa Landwirte Rohre beschädigt haben. Hinzu kommen 13 Schäden an Bohrungen (undichte Stopfbuchsen), fünf Schäden wegen undichter Tanks und ein Schaden an einer Schlammgrube. „Ob mit oder ohne Fracking – die Daten beweisen, dass es bei Erdölförderungen immer wieder zur Verseuchung von Boden, Wasser und Umwelt kommt“, beklagt Breyer. Eine unabhängige Kontrolle der Dichtigkeit von Altbohrungen, in denen oftmals giftige Flüssigkeiten versenkt sind, finde nicht statt – „das halte ich für grob fahrlässig“. Umgekehrt drohe die Beschädigung von Altbohrungen, wenn jetzt neue Bohrungen zugelassen werden sollten, einhergehend mit Vergiftungen von Wasser und Boden. „Unser Entwurf eines Anti-Fracking-Landesgesetzes sieht eine Überwachung von Bohrungen auf Kosten der Konzerne und deren verschuldensunabhängige Haftung für Schäden vor“, erklärt der Pirat . Öl- und Gasförderung und die Verklappung der giftigen Abfälle im Boden gefährdeten den Boden, das Grundwasser und den Wert der Grundstücke. „Um den Klimawandel aufzuhalten und auf erneuerbare Energien umzustellen, dürfen wir keine neuen fossilen Vorkommen erschließen, sondern müssen Öl und Gas im Boden lassen“, fordert Breyer. In Schleswig-Holstein wird derzeit nur Öl aus der Nordsee gefördert. Im Wattenmeer, etwa acht Kilometer vor der Küste, wird seit 1987 Erdöl auf der Bohr- und Förderinsel Mittelplate produziert. Jährlich werden rund 1,4 Millionen Tonnen des „schwarzen Goldes“ – das entspricht der Hälfte der deutschen Erdölförderung – an die Oberfläche gepumpt. Zudem gab es Bestrebungen, im Gebiet Schwedeneck-See in der Kieler Bucht sowie an Land in Preetz und Plön-Ost mittelfristig Ölvorkommen konventionell auszubeuten. Diese haben ein geschätztes Gesamt-Fördervolumen von 660 000 Tonnen Öl. Die Förderung war in Preetz 1998, in Plön-Ost 1999 mangels Wirtschaftlichkeit eingestellt worden. Die Deutsche Erdöl-AG (Dea) wird diese beiden Ölfelder nicht mehr reaktivieren – die Bewilligungen wurden wegen des Ölpreisverfalls soeben zurückgegeben." Margret Kiosz